Najem Wali: Das Haus der Träume in Bagdad

Najem Walis eindrucksvoller Artikel im Feuilleton der FAZ vom 17. August beschreibt einen vergangenen, multikulturellen Irak und ein altes Gebäude mit seinen Geschichten, das ein Symbol geworden ist, weil es von einer Zeit erzählt, „in der die verschiedenen Religionsgemeinschaften friedlich Seite an Seite lebten“.

Ein geschichtsträchtiges Gebäude ist vom Abriss bedroht. Dank seines Erbauers steht es für einen multikulturellen Irak – also für das, was die Scharfmacher im Land heute vergessen machen wollen.

Fast hundert Jahre ist es alt. Der Bagdader Baumeister Sayyed Kazim bin Arif, einer der berühmtesten seiner Zunft, hat es errichtet. Alles an diesem Haus ist schön: die Rundbögen, die Zimmertüren, die Balustraden auf dem Flachdach, die hölzernen Fenster, der ausladende Balkon hoch über dem Tigris. Es wirkt fast, als habe die Hand des Meisters hier, von der historischen Al-Raschid-Straße aus leicht zurückgesetzt, Stein auf Stein sanft gestreichelt und liebevoll geformt, als habe sie gewusst, dass sie nicht nur ein Haus für einen Mann aus einer alteingesessenen Bagdader Handelsfamilie erbaute, die bekannt für ihren Reichtum war, sondern vor allem einen Ort schuf, der Träumen angemessen sein musste. Dass es so viele Räume und Etagen umfassen musste wie die Träume des Mannes, der darin schlafen und erwachen würde.

All die Jahre, die ich bis zu meiner Flucht am 28. Oktober 1980 ins Exil nach Deutschland in Bagdad lebte, hoffte ich, dieses Haus einmal betreten zu können. Mehr noch als sein Aussehen reizten mich die Geschichten, die man sich von der Privatbibliothek des Hausherrn erzählte. Es hieß, seine Bücher hätten so gut wie alle Zimmer des Hauses eingenommen, es sei die größte Privatbibliothek gewesen, die Bagdad je gekannt habe: Bücher in zahlreichen Sprachen, auf Arabisch und Türkisch, auf Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und Deutsch, all jenen Sprachen, die der Hausherr las und schrieb. Bedauerlicherweise sind die meisten dieser Bücher wohl verloren gegangen, als die Ba’ath-Regierung 1970 im Zuge ihrer Hinrichtungswelle gegen Juden und Oppositionelle sich der Bibliothek bemächtigte. Zwar hieß es, die Bestände seien in die Sammlung des Irakischen Nationalmuseums gewandert, doch habe ich bei all meinen Besuchen dort nicht eines davon auffinden können.

Der vollständige Artikel ist hier zu finden: Das Haus der Träume in Bagdad

Als weitere Leseempfehlung sei in diesem Zusammenhang auf Sasson Somekhs Buch Baghdad, Yesterday. The Making of an Arab Jew (Ibis Editions 2007) hingewiesen, das über den AphorismA Verlag zu beziehen ist.

Update:
Gestern, am 24. August 2016, ist der ehemalige Wohnsitz des jüdisch-arabischen Politikers Sassoon Heskel abgerissen worden…

Mit dem ‚Haus der Träume‘, wie Wali es nannte, ist eines der wenigen Zeugnisse für den toleranten Irak verlorengegangen, wie er nach der 1920 erlangten Selbstständigkeit ein paar Jahrzehnte lang bestand. Um nachträgliche Proteste zu vermeiden, ist das Photographieren des Trümmerhaufens untersagt worden…
(Vgl. die Notiz in der FAZ, 24. August 2016)

Fractured Lands: How the Arab World Came Apart

Unbedingte Leseempfehlung: die umfassende, bild- und quellenreiche Reportage Fractured Lands: How the Arab World Came Apart von Scott Anderson aus dem New York Times Magazine. Eine journalistische Ausnahmeleistung!

http://www.nytimes.com/interactive/2016/08/11/magazine/isis-middle-east-arab-spring-fractured-lands.html?_r=1

The product of some 18 months of reporting, it tells the story of the catastrophe that has fractured the Arab world since the invasion of Iraq 13 years ago, leading to the rise of ISIS and the global refugee crisis. The geography of this catastrophe is broad and its causes are many, but its consequences — war and uncertainty throughout the world — are familiar to us all. Scott Anderson’s story gives the reader a visceral sense of how it all unfolded, through the eyes of six characters in Egypt, Libya, Syria, Iraq and Iraqi Kurdistan. Accompanying Anderson’s text are 10 portfolios by the photographer Paolo Pellegrin, drawn from his extensive travels across the region over the last 14 years, as well as a landmark virtual-reality experience that embeds the viewer with the Iraqi fighting forces during the battle to retake Falluja.

Das Kalenderblatt im August: Combatants for Peace

An dieser Stelle präsentieren wir jeden Monat ein neues Kalenderblatt aus dem diAk-Kalender, der in einer Sonderausgabe als Ausgabe IV/2015 erschienen ist.

Diesen Monat: Combatants for Peace

Combatants for Peace ist eine 2006 gegründete bi-nationale Freiwilligenorganisation aus Israelis und Palästinensern, die sich in der Vergangenheit jeweils als Soldaten bzw. als bewaffnete Kämpfer an den gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen beiden Seiten beteiligt haben und sich nun für eine gewaltfreie Lösung des Konflikts einsetzen. Die Gruppe setzt sich für eine Zusammenarbeit beider Seiten ein und fordert die Etablierung eines palästinensischen Staates mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt in den Grenzen wie vor dem Sechstagekrieg. Die Organisation organisiert Treffen ehemaliger Kämpfer, Vorträge und Touren und veranstaltet jährlich einen Israeli-Palestinian Memorial Day, an dem der Opfer beider Seiten gedacht wird.

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Kontakt: Combatants for Peace, 113 Ushiskin St., 47204 Ramat Hasharon, Israel http://cfpeace.org/ office@cfpeace.org

Spenden: http://cfpeace.org/contact-us/donate/

Reaktionen und Kommentare zum verabschiedeten ‚NGO-Gesetz‘ des israelischen Parlaments

Am Montag, den 11. Juli, hat das israelische Parlament das sogenannte NGO-Gesetz mit 57 gegen 48 Stimmen verabschiedet. Untenstehend findet sich Berichterstattung aus der englischsprachigen Presse in Israel und dem englischen Guardian.

Update: Mittlerweile hat sich auch die deutsche Bundesregierung zu dem Gesetz geäußert: http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Infoservice/Presse/Meldungen/2016/160713_AA_Transparenz_Gesetz.html

Zivilgesellschaftliches Engagement und die Arbeit von Nichtregierungsorganisationen sind wichtige Pfeiler einer freiheitlichen Demokratie. Es ist bedauerlich, dass in Israel nun ein neues NGO-Gesetz verabschiedet wurde, das den Spielraum israelischer zivilgesellschaftlicher Akteure einschränkt. Wir hoffen, dass zivilgesellschaftlichen Organisationen in Israel auch zukünftig der nötige Spielraum gegeben wird, um ihrer wichtigen Arbeit nachzugehen.

In der taz hat sich der Büroleiter der Rosa Luxemburg-Stiftung in Tel Aviv, Tsafir Cohen, krtitisch mit der Entwicklung auseinandergesetzt:
Links ist in Israel ein Schimpfwort
http://taz.de/Stiftungsmitarbeiter-ueber-Anti-NGO-Gesetz/!5317753/
(taz, 13. Juli 2016, Seite 7)

Eine erste Reaktion gab es durch den außenpolitischen Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90 / Die Grünen, Omid Nouripour:
Israel: NGO-Gesetz ist besorgniserregender Rückschlag für die Demokratie
https://www.gruene-bundestag.de/presse/pressemitteilungen/2016/juli/israel-ngo-gesetz-ist-besorgniserregender-rueckschlag-fuer-die-demokratie-12-07-2016.html

The Peace Index: June 2016

Der Peace Index wird regelmäßig von der Universität in Tel Aviv veröffentlicht und versammelt Umfragen und Meinungen der Gesellschaft in Israel, insbesondere mit Blick auf die israelisch-palästinensischen Beziehnungen, die Beziehungen zu israelischen Palästinenser(inne)n und die unter Besatzung lebenden Palästinenser(inne)n.

Die neueste Umfrage ergab eine hohe Unterstützung für die Annektierung der Westbank und die Weigerung, den dortigen Bewohner(inne)n Rechte zu gewähren (eine Übersicht der vollständigen Ergebnisse findet sich auch auf den Seiten des Israel Democracy Institute).

With the fiftieth anniversary of the Six Day War approaching, this month the Peace Index survey mostly explored the public’s positions on the war’s ramifications for the situation today and in the future. In light of the recent referendum in Britain, we also looked into the public’s views on a possible referendum in Israel on the future of the territories, along with their preferences were such a referendum to be conducted. In addition, we inquired into what the public thinks of the agreement between Israel and Turkey.
The impact on Israel’s situation of the developments since the Six Day War: Both the Jewish public and the Arab public are divided, in very similar proportions, between those who think the developments in the territories have improved Israel’s security situation and those who believe they have worsened it (Jews: improved—44%, worsened—43%; Arabs: improved—48%, worsened—49%). As for the diplomatic situation, a majority (57%) in both the Jewish public and the Arab public sees the developments in the West Bank/Judea and Samaria as having worsened Israel’s situation.

Quelle: http://www.peaceindex.org/indexMonthEng.aspx?num=306

Der vollständige Artikel ist hier zu finden

Das Kalenderblatt im Juli: Tent of Nations/Zelt der Völker

An dieser Stelle präsentieren wir jeden Monat ein neues Kalenderblatt aus dem diAK-Kalender, der in einer Sonderausgabe als Ausgabe IV/2015 erschienen ist. Der Juli widmet sich dem Tent of Nations.

Tent of Nations – People Building Bridges
Das Tent of Nations ist ein im Jahre 2000 aufgebautes privates Friedensprojekt, das von dem evangelisch-lutherischen Palästinenser Daoud Nassar gegründet wurde. Das Ziel des Projektes ist es, Brücken zwischen Menschen sowie zwischen den Menschen und dem Land zu bauen. Um dieses Ziel zu verwirklichen, gestaltet die NGO Bildungs- und Begegnungsprogramme auf der organischen Farm Dahers Vineyard, die sich in den Bergen südwestlich von Bethlehem befindet. Dazu gehören Arbeits- und Freiwilligeneinsätze, ein Sommercamp für Kinder und ein Empowerment-Projekt für junge Frauen und Mädchen.
Zum Projekt erscheint bei AphorismA 2016 ein Bildband mit Photoarbeiten von Christian Kraatz, London.
Kontakt: http://www.tentofnations.org | info@tentofnations.org
Tel.: +972 0 2 274 30 71 | Fax: +972 0 2 276 74 46
Wenige Kilometer entfernt von Bethlehem, nahe der Abzweigung Neve Daniel auf der Route 60. Spenden: Über Kontaktformular: www.tentofnations.org/support/

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